Die Entdeckung des Immerlandes oder
Wie komm‘ ich dort hin

Es begab sich vor nicht allzu langer Zeit, als ein kleines Mädchen - wir nennen sie Victoria - jedes Mal, als sie abends zu Bett gehen sollte, nie schlafen wollte. Ihr Vater Thomas war schon sehr, sehr ratlos: „Was soll ich nur tun?“, fragte er sich verzweifelt. „Immer wenn ich dich zu Bett bringen möchte, willst du noch spielen, fernsehen, oder irgendetwas tun, nur eines nicht: schlafen.“ „Ja aber ich bin noch gar nicht müde!“, sprach Victoria. Sie hüpfte einfach froh und munter in ihrem Bett umher. Da schlief der Vater ein.

Plötzlich stand er in einer anderen Welt. Grüne Wiesen, hohe Bäume, Blumen und Luftblasen wohin man auch schaut. „Wo mag ich wohl sein?“, fragte er sich ganz verwundert. Da hörte er plötzlich eine feine, sanfte Stimme, die zu ihm sprach: „Wer und was bist du?“. Wer wohl gemeint war ist klar. Er erwiderte: „Ich? Ich! Ich bin der Thomas und ich bin natürlich ein Mensch! - Wer will das wissen?“

Plötzlich stand hinter ihm ein riesengroßes Gebilde, zirka zwanzig Meter hoch, welches sich im Wind hin und her bewegte. Unten in der Wiese fest verwurzelt, zog es sich immer spitzer werdend in den blauen Himmel empor. „Ich bin ein Luftwurm“, sprach das sagenhafte Ding. „Wo bin ich eigentlich“, fragte Thomas ganz verdutzt. „Du bist im Immerland.“ - „Was und wo ist das Immerland?“ - „In deiner Fantasie! Weißt du, das Immerland ist die Welt ohne Sorgen, ohne Probleme, ohne Krieg und ohne Streit. Fast hätt’ ich‘s vergessen: Neid kennen wir auch nicht“, erklärte ihm der Luftwurm „Aber so eine Welt gibt es doch gar nicht“, meinte Thomas. „Ach so! Und wo bist du jetzt? Vielleicht am Mond oder in Afrika?“ Der Luftwurm fragte Thomas, ob er mehr vom Immerland sehen möchte.

So setzte er sich auf den Rücken seines neuen Freundes, die Wurzeln lösten sich und sie flogen durch die neue Welt. Es ging über Berg und Tal, durch Luftwurmfelder in allen Farben, durch Luftblasen hindurch, unglaublich was es da alles zu sehen gab.

„Was ist das?“, wollte Thomas wissen. Der Luftwurm machte eine Pause und sprach: „Ach, das ist nur ein Flugei, aber erzähle mir jetzt von deiner Welt! Wie ist‘s dort, Mensch?“ Thomas seufzte und berichtete schweren Herzens: „Bei uns Menschen, wir leben ja auf dem Planeten Erde ist es halt sehr, sehr hektisch. Wir müssen fleißig arbeiten um uns alles leisten zu können. Autos, Motorräder und Flugzeuge transportieren uns hin und her. Die Luft in den Städten ist meist unheimlich stickig und Kriege gibt es leider auch.“ „Hast Du Familie?“ „Ja, meine Frau Susi und meine Tochter Victoria, die hab‘ ich nämlich gerade zu Bett gebracht.sie wollte wieder einmal nicht einschlafen und plötzlich war ich da.“ „Aha! Dann bring‘ sie doch das nächste mal einfach mit.“ In dem Moment wachte Thomas auf. Victoria schlief schon tief und fest. Er richtete ihr die Kuscheldecke und dachte sich: „Immerland - was für ein seltsamer Traum.“ Am nächsten Morgen erzählte er von seiner unglaublichen Reise, die ihn ins Immerland brachte. Victoria hörte aufmerksam zu und fragte: „Wie komm‘ ich dort hin?“ „Ganz einfach, - ins Bett legen und das Wichtigste: schnell einschlafen.“

So ging der Tag vorüber und am Abend putzte sich Victoria ganz flott die Zähne und verschwand unter ihrer Decke. „Was ist los, bist du schon müde?“ „Na ja, ich möchte halt ins Immerland.“ Die Äuglein schlossen sich und es war so weit.
Der Luftwurm erwartete sie schon sehr freudig. So flogen sie gemeinsam durch die wunderbare Welt. Und wenn Du am Abend schlafen gehst, könnte es auch für dich Wirklichkeit werden. Der Luftwurm wartet schon sehnsüchtig - auch auf Dich.

 

 

 

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